"Sowieso nichts Neues": ZDF hat TV-Runde des Wahlabends bereits aufgezeichnet

 

 

Nach jeder Bundestagswahl stellen sich die Parteivorsizenden oder ihre Vertreter in der Großen Fernsehrunde den Reportern. In diesem Jahr hat das ZDF diese Runde vor wenigen Tagen bereits vorab aufgezeichnet, da, so das ZDF, sowieso abzusehen sei, was die Politiker sagen werden. Uns wurde das Band der ZDF-Aufzeichnung mit Bettina Schausten, die am Abend des 24.9. gesendet werden soll, heimlich zugespielt.

 

Bettina Schausten: Frau Bundeskanzlerin, CDU und CSU stellen mit 36,5 Prozent wieder die staerkste Fraktion. Dennoch faellt das Ergebnis schwaecher aus als erwartet.

 

Angela Merkel: Ich weiss nicht, was SIE erwartet haben, Frau Schausten. Ich bin mit diesem Ergebnis sehr zufrieden. Die Waehlerinnen und Waehler haben uns einen klaren Regierungsauftrag erteilt und ich moechte mich bei allen in der Partei bedanken, wie engagiert sie diesen Wahlkampf gefuehrt haben. Wir werden dieses Ergebnis jetzt sehr genau analysieren, aber wir sind nicht unter Druck. Und jetzt gestehen Sie uns zu, dass wir uns heute abend erstmal einfach freuen.

 

Schausten: Die SPD hat ihr Wahlziel mit 26 Prozent klar verfehlt. Martin Schulz wird nicht Kanzler. Woran lag es, Herr Oppermann?

 

Zunaechst moechte ich mich bei Martin Schulz bedanken fuer diesen hochengagierten Wahlkampf, den er bis zuletzt gefuehrt hat. Alle in der Partei haben großartig gekaempft und dafuer bedanke ich mich zuerst. Ihre Analyse teile ich nicht. Martin Schulz hat ein besseres Ergebnis fuer die SPD eingefahren als viele andere in den vergangenen Jahren. Das ist eine großartige Leistung. Der Abwärtstrend ist gestoppt. Im übrigen sinkt die Zustimmung zur Union, wenn ich das richtig sehe, die Zustimmung zur SPD steigt - und zu Martin Schulz. Dennoch werden wir das Ergebnis in unseren Gremien intensiv analysieren, aber wir haben es dabei nicht eilig. Jetzt sind andere am Zug...

 

Schausten: Sind Sie bereit fuer eine Neuauflage der Grossen Koalition?

 

Oppermann: Nun warten wir erstmal ab, Frau Schausten. Der Wahlabend ist noch nicht zu Ende und da kann ja noch einiges passieren. Am Montag tagen die Parteigremien, da werden wir das besprechen - natürlich mit Martin Schulz zusammen, um ihrer nächsten Frage zuvorzukommen.

 

Schausten: 7,5 Prozent fuer die FDP, Herr Lindner. Wieder im Bundestag, aber es reicht nicht fuer eine Regierung mit CDU und CSU.

 

Lindner: Bei allem Respekt, Frau Schausten. ich darf daran erinnern, dass die FDP vor vier Jahren totgesagt wurde. DIe FDP ist wieder aufgestanden, falls Sie das übersehen haben. Der Waehler hat es honoriert, dass wir uns runderneuert und ein neues Profil gegeben haben. Jetzt warten wir mal ab, was der Abend noch bringt. Im übrigen hat unsere Partei großartig gekämpft und ich darf an dieser Stelle allen danken, die diesen Erfolg mit eingefahren haben. Am Montag tagen unsere Gremien und da werden wir das Ergebnis sehr genau analysieren. Im übrigen sind jetzt andere am Zug. Heute abend freuen wir uns erst einmal über diesen Erfolg.

 

Schausten: 8 Prozent fuer die Linken, Frau Wagenknecht, aber mit dem Ergebnis koennen Sie jetzt relativ wenig anfangen.

 

Wagenknecht: Ich danke erstmal unseren Parteimitgliedern, die bis zuletzt unwahrscheinlich engagiert gekaempft haben. Das ist ein deutliches Zeichen, dass die Bevoelkerung diesen neoliberalen und gefährlichen Kurs von Frau Merkel ablehnt. Wenn Ihre Partei, Herr Oppermann, sich nicht der Kanzlerin so an die Brust werfen wuerde...

 

Oppermann: Sie reden wie immer Unsinn.

 

....dann haetten wir schon laengst einen Politikwechsel in diesem Land.

 

Schausten: Der Wahlkampf ist vorueber, Frau Wagenknecht.

 

....und die neoliberale und militaristische Politik haette ein Ende. Ausserdem tagen unsere Parteigremien am...

 

Schausten (unterbricht): Die Gruenen liegen abgeschlagen mit 7 Prozent noch hinter der FDP, Herr Özdemir. Wie sehr schmerzt sie das?

 

Özdemir (mit schmerzverzerrtem Gesicht): Das tut weh, Frau Schausten, das tut sehr weh, das können Sie mir glauben. Wir werden zu analysieren haben, was falsch gelaufen ist. Offenbar haben wir den Wählerinnen und Wählerinnen nicht ausreichend vermitteln können, warum dieses Land eine fortschrittlich ökologische Politik braucht. Wir werden das morgen im erweiterten Vorstand intensiv analysieren. Im übrigen ist der Abend noch lang und wir warten dann erstmal das endgültige Ergebnis ab.

 

Schausten: Mit 11 Prozent ist die AFD erstmals im Bundestag und drittstärkste Kraft, Herr Gauland.  Gehen Sie in die Opposition oder dienen Sie sich als Regierungspartei an?

 

(Oppermann und Wagenknecht verlassen aus Protest das Studio)

 

Gauland: Die Wahl hat gezeigt, was jeder sechste Bundesbürger moechte: Angela Merkel muss weg. Ja, Sie Frau Bundeskanzlerin da drüben! Das ist ein sensationeller Erfolg. Endlich hat das wirkliche Volk sprechen dürfen, was es von der Flüchtlingspolitik, der Griechenland-Rettung und dem Euro hält. Ich danke allen Waehlerinnen und Waehlern, die uns gewaehlt haben. Wir werden sie nicht enttäuschen. Und das ist erst der Anfang. Heil... (Mikrofon wird abgedreht).

 

Schausten: Frau Bundeskanzlerin, letzte Frage: Mit wem werden Sie jetzt künftig regieren?

 

Merkel: Unsere Gremien tagen morgen vormittag, Frau Schausten, und ich werde ihnen nicht den Gefallen tun, heute Dinge zu sagen, die wir erst morgen besprechen. Wir werden allen Parteien ausser der AfD und der Linken Gespraechsangebote machen, das gehoert sich in einer Demokratie so. Aber selbstverständlich müssen wir das Wahlergebnis erst sehr genau analysieren, bevor wir im ganzen und überhaupt die nächsten Schritte, von denen niemand konkret sagen kann, warum und wieso und der Wähler hat uns eindrucksvoll sein Vertrauen ausgesprochen.

 

Schausten: Herzlichen Dank. Damit geben wir zurueck ins ZDF-Wahlstudio zur nächsten Hochrechnung.

 

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